AgNes-Verfahren: Orientierungspunkte der BNetzA zur Beteiligung von Einspeisern an Netzkosten veröffentlicht

17.02.2026: AgNes-Verfahren der Bundesnetzagentur (BNetzA): Sollen Stromerzeuger künftig Netzentgelte zahlen?

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat im Rahmen des laufenden Festlegungsverfahrens zur Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes) ein BNetzA-Papier mit Orientierungspunkten zur Beteiligung von Einspeisern an Netzkosten veröffentlicht.

Die Bundesnetzagentur treibt mit dem Verfahren AgNes (Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom) die Reform der deutschen Netzentgelte voran. Ein neues Orientierungspapier der Behörde rückt dabei eine zentrale Frage in den Fokus: Sollten Stromerzeuger künftig stärker an den Kosten der Stromnetze beteiligt werden?

Das Dokument mit Orientierungspunkten zur Beteiligung von Einspeisern an Netzkosten ist Teil eines laufenden Konsultationsprozesses. Es soll eine fachliche Diskussion darüber anstoßen, wie Netzentgelte im zukünftigen Energiesystem ausgestaltet werden können.

Warum die Bundesnetzagentur die Netzentgelte reformieren will

Netzentgelte finanzieren Bau, Betrieb und Ausbau der Stromnetze. Sie machen einen erheblichen Teil des Strompreises aus und werden bislang überwiegend von Stromverbrauchern bezahlt.

Das bestehende System entstand jedoch in einer Zeit, in der Strom vor allem von großen zentralen Kraftwerken erzeugt wurde. Heute verändert die Energiewende das Stromsystem grundlegend:

  • Der Anteil erneuerbarer Energien steigt stark an
  • Strom wird zunehmend dezentral erzeugt
  • Neue Verbraucher wie Elektroautos und Wärmepumpen erhöhen die Stromnachfrage
  • Die Netze müssen häufiger starke regionale Einspeiseschwankungen ausgleichen

Diese Veränderungen führen zu neuen Herausforderungen für die Finanzierung und effiziente Nutzung der Stromnetze.

Mit dem AgNes-Prozess prüft die Bundesnetzagentur deshalb, ob die bestehende Netzentgeltsystematik noch geeignet ist – oder ob grundlegende Anpassungen erforderlich sind.


Das Dokument dient als Diskussionsgrundlage für einen Expertenaustausch sowie für die Konsultation mit Marktakteuren. Ziel ist es, mögliche Modelle zu entwickeln, wie Stromerzeuger künftig stärker in die Finanzierung und effiziente Nutzung der Stromnetze eingebunden werden könnten.

Orientierungspapier: Einspeiseentgelte: Orientierungspunkte der BNetzA

Quelle: Bundesnetzagentur – Festlegungsverfahren AgNes – Expertenaustausch zur Beteiligung von Einspeisern


Einspeiser im Fokus der Reform

Ein zentraler Diskussionspunkt im AgNes-Verfahren ist die mögliche Beteiligung von Stromerzeugern an Netzkosten. Hintergrund ist, dass der Ausbau erneuerbarer Energien in manchen Regionen erheblichen Netzausbau erforderlich macht.

Bislang tragen vor allem Stromverbraucher die Kosten des Netzes. Die Bundesnetzagentur stellt daher die Frage, ob künftig auch Einspeiser – also Betreiber von Stromerzeugungsanlagen – einen Beitrag leisten sollten.

Ziel einer solchen Reform wäre vor allem:

  • eine verursachungsgerechtere Verteilung der Netzkosten
  • stärkere Anreize für netzdienliches Verhalten
  • eine effizientere Nutzung der bestehenden Netzinfrastruktur

Dabei betont die Behörde, dass das Orientierungspapier noch keine Vorentscheidung darstellt, sondern mögliche Optionen für die Diskussion skizziert.

Mögliche Modelle für Einspeiseentgelte

Das Papier beschreibt verschiedene denkbare Modelle, wie eine Beteiligung von Einspeisern ausgestaltet werden könnte:

Kapazitätsbasierte Entgelte

Eine Option sind kapazitätsbasierte Einspeiseentgelte, die sich an der installierten Leistung einer Anlage orientieren könnten. In einem solchen Modell würde beispielsweise ein Betrag pro Kilowatt installierter Leistung erhoben.

Dieses Modell hätte den Vorteil, dass es relativ stabil und planbar wäre.

Dynamische Entgeltmodelle

Eine weitere diskutierte Option sind dynamische oder zeitvariable Einspeiseentgelte. Diese könnten sich an der aktuellen Netzsituation orientieren.

Bei hoher Netzauslastung könnten höhere Entgelte entstehen, während in Zeiten niedriger Netzbelastung geringere Kosten anfallen würden. Solche Modelle könnten zusätzliche Anreize schaffen, Strom möglichst netzdienlich einzuspeisen oder zu speichern.

Baukostenzuschüsse

Neben laufenden Entgelten diskutiert die Bundesnetzagentur auch Baukostenzuschüsse für neue Anlagen. Diese würden einmalig bei der Errichtung neuer Einspeiseanlagen erhoben.

Ein solcher Ansatz könnte Investoren dazu motivieren, Standorte mit geringeren Netzbelastungen zu wählen.

Umgang mit bestehenden Anlagen

Ein wichtiger Aspekt der Diskussion ist der Umgang mit Bestandsanlagen. Viele Investitionen in erneuerbare Energien wurden unter den bisherigen regulatorischen Rahmenbedingungen getätigt.

Die Bundesnetzagentur betont daher, dass ein möglicher Systemwechsel auch Fragen des Vertrauensschutzes und der Investitionssicherheit berücksichtigen muss. Deshalb wird diskutiert, ob neue Regelungen vor allem für zukünftige Anlagen gelten sollten.

Auswirkungen auf Energiewende und Strompreise

Die mögliche Einführung von Einspeiseentgelten ist energiepolitisch sensibel. Einerseits könnten neue Entgelte die Finanzierung der Netzinfrastruktur stabilisieren und bessere Preissignale für den Netzausbau setzen.

Andererseits warnen einige Akteure davor, dass zusätzliche Kosten für Stromerzeuger Investitionen in erneuerbare Energien beeinträchtigen könnten.

Die konkrete Ausgestaltung der Netzentgelte könnte daher langfristig Einfluss haben auf:

  • die Standortwahl neuer Anlagen
  • die Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien
  • die Kostenverteilung im Stromsystem

Konsultation und nächste Schritte im AgNes-Prozess

Die Orientierungspunkte wurden im Vorfeld eines Expertenaustauschs veröffentlicht und sind Teil eines umfassenden Konsultationsprozesses der Bundesnetzagentur.

Verbände, Unternehmen, Netzbetreiber und andere Marktakteure haben die Möglichkeit, Stellungnahmen einzureichen und ihre Perspektiven einzubringen.

Auf Grundlage dieser Beiträge will die Bundesnetzagentur die Optionen weiter bewerten und mögliche Reformschritte für die zukünftige Netzentgeltsystematik im Stromsektor entwickeln.

Fest steht: Die Diskussion über die Beteiligung von Einspeisern an Netzkosten wird ein zentraler Baustein der zukünftigen Strommarktregulierung in Deutschland sein.